Marmorkuchen von 1871

Marmorkuchen gibt es schon verdammt lange. Zu Beginn ging es vor allem um das Spiel der Farben. Lebensmittelfarben machten farbenreiche Gebäcke möglich. Der Marmorkuchen war die konsequente Weiterentwicklung von farbigen Kuchen. So habe ich es jedenfalls während einer Recherche gelesen, auf der ich auch diese Schatzkiste mit alten Rezepten gefunden habe. „Alt“ bedeutet nicht immer „gut“, aber wissen wollte ich doch einmal wie eines der ersten Marmorkuchenrezepte schmeckt. Ihr auch?

1871_Eins

Aus Geschmacksgründen habe ich Kakaopulver genommen. Ich finde es einfach zu lecker um etwas anderes zu gebrauchen; außerdem passte es so gut zu den restlichen Zutaten. Aber warum soll man nicht auch beliebige andere Farben nehmen – lasst Eurer Kreativität freien Lauf! Dieses Rezept von 1871 macht es möglich. Bevor ich meine Interpretation mit Euch teile, hier das Rezept im Originaltext:

One pound each of sugar, flour and butter, the whites of sixteen eggs, quarter of a pound of bleached and split almonds, half of a citron sliced and sufficient cochineal (which should be procured at confectioner’s, as that prepared by druggists is not so suitable); cream together the butter and flour; beat together very light the egg-whites and sugar; put all together and beat thoroughly; color onte-third of the batter any shade you like; put well-greased tissue-paper around the mould, then put in half of the white batter, a layer of citron and almonds, the colored batter, another layer of citron and almonds, and the remainder of white batter; bake in a moderate oven.

(Originalquelle: Mrs. Porters‘ New Southern Cookery Book, Mrs. M.E. Porter, c. 1871, introduction and suggested recipes by Louis Szathmary, Promontory Press: New York, 1974, pp. 219-220)

Obwohl relativ viel Eiweiß in diesem Kuchen ist, ist es nicht überdeutlich zu schmecken. Es hat sich aber in der etwas klebrigen, gummiartigen Konsistenz niedergeschlagen. Wie zu erwarten ist der Kuchen im Ofen kaum aufgegangen, da ja auch kein Backpuler im Teig ist.

Der Kuchen war leicht und erinnerte ein bisschen an Jaffa Cake. Letzterer ist mein Lieblingskeks, also ist das durchaus als Kompliment zu verstehen. Die eingebackenen Zitronenscheiben und die Nüsse sind eine wahre Bereicherung. Auch die Krumentextur gewinnt durch die ganzen Zitronenscheiben. Insgesamt verbindet der Kuchen das typische Marmorkuchenaroma auf eine schokoladige Art mit den fruchtigen Zitronen und den kernigen Nüssen. Er war echt lecker und ging schnell weg. Meine Mitbewohner und ich haben ihn innerhalb eines halben Tages verschlungen. Er hat deshalb auch meine überzeugte Nackbackempfehlung!

 1871_Zwei

Marmorkuchen von 1871:

  • 4 Eiweiß (Größe M);
  • 125g Zucker;
  • 125g Butter;
  • 125g Weizenmehl (550);
  • 15g Kakaopulver;
  • 1/2 Bio-Zitrone;
  • 32g grob gemahlene Mandeln.

Die Eiweiße aufschlagen. Sobald die Eiweiß-Masse beginnt milchig zu werden, den Zucker in drei Schritten hinzugeben und unterrühren. Der Zucker stabilisiert den Eischaum.

Die zimmerwarme Butter wirklich cremig schlagen, sonst klumpt es gleich. Anschließend langsam das Mehl einrieseln lassen und darauf achten dass es von der Butter aufgenommen wird, bevor Ihr mehr Mehl dazu gebt.

Nun das Eiweiß vorsichtig unter die Butter-Mehl-Crème heben. Anschließend ein drittel der Masse in einer separate Schüssel geben, den Kakao in darin einsieben und unterheben. Die halbe Zitrone in dünne Scheiben schneiden. Dicker als 1mm sollten sie nicht sein.

Nun die Hälfte der hellen Masse in eine gefette, bemehlte Kastenform geben und glatt streichen. Darauf die Hälfte der gemahlenen Nüsse und eine Lage Zitronenscheiben legen. Auf die Zitronen die dunkle Masse geben. Diese glatt streichen, die übrigen Nüsse und noch eine Lage Zitronen darauf geben. Nun den Rest der hellen Masse in die Form geben und alles für 50 bis 60 Minuten bei 170º C backen.

Guten Appetit!

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