Buchweizen-Marmorkuchen

Manchmal laufen sie einem über den Weg, die Leute die etwas panisch auf normale Lebensmittel reagieren: Die Fortschrittsängstlichen, die einem erzählen, dass der moderne Weizen eigentlich unverdaulich sei; die Besorgten, die schon Malz für einen chemischen Zusatz halten; und die Leichtgläubigen, die Kuhmilch als das unbekannte Gift ansehen, das Tabak einst war. Ob das seine Berechtigung hat, hängt von vielen Faktoren ab. Eine gute Sache will ich aber bei der Debatte erkennen: Endlich sind die Menschen satt genug, um über die Qualität des Essens nachzudenken und nicht mehr alles zu verschlingen, was sie finden. Meinungsvielfalt bringt dann notwendigerweise extreme und weniger extreme Ansichten mit sich.

Die Anti-Gluten-Welle im Supermarktregal ist eine relativ extreme Ansicht, die wahrscheinlich nur existiert, weil es verschiedene Meinungen gibt und weil Menschen vieles glauben was sie hören. Was aber, wenn man jetzt wirklich Zöliakie oder eine Glutenallergie hat? Ich bin mir sicher, das nervt gewaltig. Tatsächlich musste ich einmal jemanden mit Glutenallergie in meinem Zivildienst betreuen. Er konnte kaum etwas essen, bei jeder Süßigkeit musste man auf die Zutatenliste achten. Irgendwann hatte ich ihm dann Amerikaner mit Buchweizenmehl gebacken. Die Amerikaner waren wirklich lecker und ich war um eine Lektion weiser: Bei Kuchen kann man Weizenmehl (beinahe) problemlos durch Buchweizenmehl ersetzen!

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Warum wusste ich damals noch nicht. Nun weiß ich, beim Rührkuchen leistet das Gluten fast keine Arbeit. Es hat keine Zeit zum verquellen und kann deshalb kein Gärgas festhalten. Da man das Gluten also nicht braucht, kann man auch ein Mehl ohne Gluten benutzen. Buchweizenmehl ist so ein Mehl. (Glutenfreies Mehl ist sogar in gewisser Weise von Vorteil, da Glutenstränge den Kuchen zäh machen können.)

Wie sich Buchweizen verhält interessiert mich durchaus, weshalb ich mich auch einmal an einen Marmorkuchen mit Buchweizenmehl gewagt habe. Als ersten Versuch habe ich ein Rezept mit relativ viel Mehl ausprobiert. Und schon wieder war ich um eine Lektion weiser: Buchweizenmehl wird leicht trocken und kann viel Flüssigkeit aufnehmen.

Mit anderen Worten, der Kuchen war ein richtiger Sandkuchen und kann durchaus mehr Flüssigkeit gebrauchen. Nächstes Mal! Falls ihr einen Kuchen mit Buchweizenmehl backt, macht euch außerdem darauf gefasst, dass der Kuchen nach Buchweizenmehl schmeckt. Das ist zwar offensichtlich, aber ich hatte es trotzdem vergessen.

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Die Zubereitung in Kürze: 150g Butter cremig rühren und mit 150g Zucker und 8g (1 Packung) Vanillinzucker schaumig schlagen. Nun einzeln, nacheinander 3 Eier in die Masse rühren. Nun 75g Milch, 11g Backpulver und 300g Buchweizenmehl unter die Masse heben. Die Hälfte in eine Form geben; unter die andere Hälfte 18g Kakaopulver, 10g Milch und 15g Zucker heben. Den Kuchen für 50-60 Minuten bei 180° C ausbacken.

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Das Rezept wurde inspiriert durch ein Rezept aus „So koche ich richtig“, von Sebastian Fischer, 1977.

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4 Gedanken zu “Buchweizen-Marmorkuchen

  1. Pingback: Zartbitter-Buchweizensahne-Marmor (glutenfrei) | ofenkante

  2. Buchweizen ist ja sehr gesund – allein schon, weil es glutenfrei ist; Gluten, nämlich, zerstört die Schilddrüse (gewusst?). Nun ersetze man noch die Mamamilch der Kuh (die verträgt nur das Kälbchen, uns als Primate fehlt dazu das Enzym) sowie die weiße Industriezuckerpampe durch Gesundes, Natürliches:
    Z.B. Kokosmilch oder auch ein gutes kohlensäurehaltiges Mineralwasser (ohne Flourid und Chlorid!)
    sowie unraffinierten (das muss auf der Verpackung draufstehen!) Rohrohrzucker – und davon reicht die Hälfte der üblichen Menge der weißen Chemiekörner.
    Euer Darm wird es mit Gesundheit danken („Der Mensch ist, was er isst“, wusste schon Hippokrates). Und viel wichtiger in der heutigen Zeit: Nur in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist.

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    • Liebe/Lieber Weimann,

      Danke, dass Dir mein Rezept gefällt!

      Ich denke nicht dass Gluten gefährlich ist und schon gar nicht, dass es die Schilddrüse schädigt. Ähnliches gilt für Milch und raffinierten Zucker.

      Ich habe bisher noch keine überzeugenden Berichte über die Giftigheid von Gluten gesehen. Stattdessen liest man viele gut recherchierte Artikel über die Unschädlichkeit von Gluten. Wikipedia spricht sogar vom Nocebo-Effekt als Erklärung des Anti-Gluten-Hypes: https://de.wikipedia.org/wiki/Gluten#Nicht-z.C3.B6liakische_Glutensensitivit.C3.A4t

      Ich habe dieses Rezept online gestellt, weil es viele Menschen gibt die wirklich eine (ärztlich bestätigte) Zöliakie haben und weil es immer interessant ist mit neuen Zutaten zu spielen.

      Ich wünsche Dir noch viel Spaß beim backen und hoffe dass Du dem leckeren Weizen und seinen tollen Brote nicht allzu lang entsagst!

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